Das Handwerk der Zukunft

Shownotes

In dieser Solo-Folge spricht Verena mit Romina Haller über Nachfolge im Familienunternehmen, Führung unter Geschwistern und die Zukunft des Handwerks.

Romina erzählt, wie man Betriebe modern führt, Azubis gewinnt und warum Handwerk heute mehr denn je eine echte Karriereoption ist.

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Transkript anzeigen

00:00:07: Meine erste Solo-Folge im neuen Jahr und ich habe einen besonderen Gast und ein besonderes Thema, nämlich das Handwerk.

00:00:15: Und Romina Haller zu Gast.

00:00:17: Sie führt gemeinsam mit ihrer Schwester Olivia die Haller Raumgestaltung am Bodensee und hat mit hell und klar eine Beratung für Nachfolge in Familienunternehmen mitgegründet.

00:00:27: Wir sprechen darüber, wie eine Nachfolge und Übergabe gut gelingen kann, wie man Menschen fürs Handwerk gewinnt und begeistert und wie geschwisterliche Führung in der Praxis funktioniert.

00:00:37: Liebe Romina, herzlich willkommen bei Fast and Curious.

00:00:41: Hallo liebe Verina, vielen herzlichen Dank für die Einladung.

00:00:44: Ich freue mich heute hier sein zu dürfen.

00:00:46: Ja so gut, dass du da bist.

00:00:48: Wir haben uns ja kennengelernt.

00:00:49: Ende letzten Jahres beim Fast and Curious Circle am Bodensee und da... War ich so begeistert von der Energie von dir und deiner Schwester, aber auch deinen Eltern?

00:01:00: Ich meine, was seid ihr für eine Power-Familie?

00:01:03: Und dann habt ihr irgendwie so gesagt, ihr hört immer fast ein Curious, aber eine Sache des Handwerk hätte noch nicht genug Raum hier bekommen.

00:01:11: Und da habe ich gedacht, ihr habt so Recht, das müssen wir dringend ändern.

00:01:14: Und deswegen freue ich mich total, dass wir hier heute übers Handwerk sprechen und vielleicht mal rein gestartet.

00:01:20: Was macht die Halla-Raum-Gestaltung?

00:01:22: Was genau macht euer Familienbetrieb?

00:01:24: Ja, also wie der Name schon sagt, Raumgestaltung, wir machen alles rund im Inneneinrichtung, sind aber wirklich ein klassischer Handwerksbetrieb.

00:01:31: Ganz viele denken immer, wir sind irgendwie Designer und... Ja, wir gestalten Räume, aber vor allem setzen wir die Raumgestaltung um.

00:01:38: Das heißt, es beginnt bei den Bodenbelegen, geht weiter mit der Wandgestaltung.

00:01:42: Wir haben das ganze Thema Näherei und Polsterrei auch bei uns im Haus mit unglaublich vielen tollen Stoffen und natürlich ergänzt durch das Thema Schlafen, gesunde Schlafen und Möbel natürlich für die Abrundung.

00:01:55: Ja, Wahnsinn.

00:01:56: Und wie du sagst, bei Raumgestaltung denken glaube ich ganz viele Menschen, dass es darum geht, welche Lampe und welcher Tisch.

00:02:02: Und ich habe tatsächlich auch... Berührungspunkte mit Raumausstattung und dem entsprechenden Gewerke oder dann auch den entsprechenden Handwerkern in der Raumausstattung.

00:02:14: Denn meine Mutter hat einen Raumausstattungsbetrieb sehr lange Jahre geführt.

00:02:19: Und insofern weiß ich, dass das wirklich Handwerk pur ist mit Auszubildenden und mit allem, was man sich vorstellen kann.

00:02:25: Und vielleicht mal so ein bisschen Historie, wann wurde ihr gegründet und von wem?

00:02:29: Genau, in dem Jahr, hat Papa beschlossen, dass er unbedingt der größte Raumerstatter in ganz Oberschwaben sein möchte und hat dann angefangen, tatsächlich erst mal als One-Man-Show, ganz alleine, hat Mama kennengelernt und dann haben sie zusammen das Unternehmen gegründet und vor allem auch auf die Größe wachsen lassen, wo wir heute stehen.

00:02:51: Wo steht ihr denn?

00:02:52: Aktuell bei sechszig Mitarbeitenden.

00:02:55: Und tatsächlich haben wir erst vor kurzem wieder eine Statistik ausgewertet und wir haben sechzig Prozent Frauenanteil.

00:03:02: Na bitte und auch, dass ihr beide als Geschäftsführerin im Handwerk, das ist ja schon selten.

00:03:07: Also da hat man ja nicht viele Frauen weder an der Spitze noch auch bei den Handwerkern.

00:03:12: In der Näherei und Polsterrei ist wahrscheinlich anders, oder?

00:03:15: Da sind es mehr Frauen.

00:03:17: Genau richtig.

00:03:17: Also, Nährreise sind wir komplett weiblich aufgestellt in der Polsterei Fifty-Fifty.

00:03:22: Also, da haben wir tatsächlich beides.

00:03:24: Und sobald es auf die Baustelle geht, und das ist ja dann das tatsächlich Spannende, wenn diese Baustellenarbeit anfällt, dann denken hier ganz viele immer nur noch an die Männer.

00:03:33: Aber bei uns ist es tatsächlich eine gute Mischung von beiden Geschlechtern.

00:03:37: Ja, toll.

00:03:37: Und das heißt, ihr seid mit diesem Betrieb groß geworden.

00:03:40: Habt ihr auch in dem Betrieb schon früher mitgearbeitet, irgendwelche Stoffenmuster von rechts nach links getragen?

00:03:47: Wie sah eure Kindheit aus?

00:03:49: Absolut.

00:03:49: Also wie viele andere Kinder aus Familienunternehmen sind wir auch im großen Abenteuerspielplatz groß geworden.

00:03:55: Das Unternehmen saß jedes Mittagessen, jedes Abendessen, jeden Urlaub mit uns am Tisch.

00:04:01: Wir haben unglaublich viel von klein auf gelernt, aber vor allem auch natürlich schon kritisch reflektieren dürfen.

00:04:07: Und für Mama und Papa, und das fand ich echt eine sehr schöne Sache auch in unserer Kindheit und Erziehung.

00:04:13: Sie haben immer gesagt, egal was ihr macht, ihr müsst was machen, was euch erfüllt und Spaß macht.

00:04:18: Und ihr müsst vor allem auch bereit sein, was bewegen zu wollen.

00:04:21: Nicht mit dem Druck, dass wir irgendwie erfolgreich sein müssen, sondern eher aus der Erfahrung heraus, dass wir unsere Talente und Fähigkeiten leben.

00:04:29: Und das war eine sehr schöne Sache, die wir von klein auf mitbekommen haben.

00:04:33: Und natürlich dann, also ich sage mal, ich war mit zwei Jahren eigentlich schon Unternehmerin.

00:04:38: Ich habe mein erstes Business mit Kaffee gehabt, weil wir unsere Kunden immer mit Kaffee versorgt haben.

00:04:43: Und die Kunden haben mir dann Trinkgeld gegeben, weil ich einfach ein süßer Lockenkopf war.

00:04:48: Und die das so toll fanden, dass Kinder quasi tagsüber, klar, wir waren natürlich tagsüber in der Firma nach dem Kindergarten.

00:04:54: Das war mein erstes Business.

00:04:57: Ja, total.

00:04:58: Und das lässt sich auch gar nicht trennen.

00:05:00: Also für viele, wie du sagst, Kinder, die aus Familienunternehmen kommen, da verschwimmt auch irgendwie Leben und Arbeit der Eltern, weil gefühlt Arbeit nie endet und Leben immer Teil des Betriebs ist.

00:05:11: Wusstet ihr beide schon früh?

00:05:13: Da wollen wir irgendwann auch mitmachen, das wird unsere Leidenschaft.

00:05:16: Da können wir die Verantwortung ausleben, die wir empfinden.

00:05:19: Oder wie war das?

00:05:21: Also für uns war tatsächlich klar, dass wir unser Unternehmen, das Familienunternehmen, auf gar keinen Fall weiterführen möchten.

00:05:27: Und es hat einmal den Hintergrund, dass wir natürlich gesehen haben, wie viele Schattenseiten Unternehmertoumen mit sich bringt und vor allem aber auch, was die Aufbaugeneration gerade in diesem Backstoumsprozess einfach leisten musste.

00:05:40: Und natürlich haben wir gesehen, wie damals war die Euroumstellung, wo einfach finanzielle Themen auf dem Tisch lagen und wir haben das als Kinder sehr früh mitbekommen und waren von dem Punkt auch abgeschreckt.

00:05:51: Witzigerweise war es aber trotzdem so, dass wir immer selbstständig sein wollten.

00:05:55: Diese Wunsch nach Selbstständigkeit war immer gegeben, aber wir haben uns eher ohne Mitarbeiter gesehen.

00:06:01: Ach, Lucy, also einfach so Freelancer, Solo-Selbstständige.

00:06:05: Also Verantwortung für sich selbst, aber nicht für andere.

00:06:07: Genau, richtig.

00:06:08: Weil natürlich auch viele Mitarbeiterthemen immer auf dem Tisch lagen.

00:06:12: Und wir uns auch oft die Frage gestellt haben, ob Mama und Papa wohl auch diskutieren würden, wenn sie keine Mitarbeitenden hätten.

00:06:19: Im späteren Verlauf der Zeit haben wir natürlich dann rausgefunden, dass es immer Themen gibt.

00:06:25: Und die Themen uns aber sehr positiv, was unsere Menschenkenntnis angeht, geprägt haben.

00:06:31: Ja, und ich glaube, das ist auch interessant, dass man ja nicht nur die Höhen mitkriegt, wenn man aus einem Familienunternehmen oder Betrieb kommt, sondern vor allen Dingen auch die Tiefen.

00:06:39: Wahrscheinlich sind die Höhen höher und die Tiefen tiefer, weil meine Schwester und ich würden auch sagen, dass man unsere Familienurlaube als Maßstab nehmen konnte, wie es in der Firma läuft.

00:06:48: Also da war manchmal im besten Fall die Nordsee irgendwie noch drin und in anderen Zeiten ging es weiter weg.

00:06:57: Also da hat man schon ordentlich mitgelitten und ich kann das verstehen.

00:07:00: dieses Puh, will ich das auch?

00:07:02: Aber irgendwann scheint er da irgendeinen Schalter umgelegt zu haben oder eine neue Sicht auf die Dinge bekommen zu haben.

00:07:08: Wie war das?

00:07:09: Genau richtig.

00:07:10: Also zum einen haben wir uns die Frage gestellt, was wollen wir denn in der Welt bewirken?

00:07:14: Und das ist natürlich eine sehr, sehr große Frage, die da auf dem Tisch liegt, weil ich glaube, auf die Frage gibt es keine genaue Antwort.

00:07:20: Nein.

00:07:20: Und gleichzeitig wussten wir aber, und das Thema Handwerk hat uns von klein auf beschäftigt, das Thema Unternehmertum, das Thema, was bewegen zu wollen.

00:07:29: Wenn wir die Themen alle zusammensetzt, haben wir gemerkt, dass eigentlich unsere Fähigkeiten und Begabungen mit den Familienunternehmen sehr eng verbunden sind.

00:07:36: Und aus dem Grund haben wir dann gesagt, werden wir irgendwann in unsere Midlife Crisis kommen und dann sagen, hätten wir doch mal die Firma weitergeführt.

00:07:44: Dann haben wir Mama und Papa eine lustige Sache vorgeschlagen, in dem wir gesagt haben, hey, wir steigen ein halbes Jahr mit ein, damit wir dann ganz sicher sind, das nicht machen zu wollen.

00:07:54: Und dann können wir in die große weite Welt hinaus und dann werden wir unser Ding machen.

00:07:59: Ja, und wie du jetzt weißt, sitzen wir hier.

00:08:02: Ihr seid nie

00:08:03: wieder ausgestiegen.

00:08:05: Ja, das ist spannend.

00:08:06: Das erinnert mich an ein Gespräch, was ich mit meinem Vater hatte.

00:08:09: Da ging es um die Frage, Bielefeld oder Berlin, unser Familienunternehmen ist in Bielefeld.

00:08:14: Ich habe gesagt, nee, ich bin hier in Berlin, hier ist die große weite Welt, hier geht die Post ab.

00:08:19: Ich kann jetzt nicht zurück nach Bielefeld und ich liebe Bielefeld.

00:08:23: Also ich bin da wirklich im Herzen voll da.

00:08:27: Aber er hat immer gesagt, verstehe ich, aber das ist im Moment da jetzt der wilde Westen und irgendwann wirst du älter und dann wirst du sagen, so, und jetzt habe ich genug wilden Westen gehabt.

00:08:36: Und da habe ich so gegengehalten damals und gesagt, nee, da bin ich anders.

00:08:40: Ich kann gar nicht genug von wilden Westen bekommen und so.

00:08:43: Und jetzt lebt er ja leider nicht mehr.

00:08:44: Aber ich würde ihn jetzt anrufen und sagen, du hattest recht.

00:08:48: Also nicht, dass ich jetzt sage, Berlin ist es für mich nicht mehr.

00:08:52: Aber so all das, was ich früher dachte, was ich nie aufgeben könnte, da gucke ich jetzt irgendwie anders drauf und sage, ah, nicht schlecht so einen, wie jetzt in eurem Fall auch, so einen Nachfolge in einem bestehenden Betrieb, wo man auch alles kennt, wo man genau diese Werte ausleben kann, die du beschreibst.

00:09:12: Also kann ich sehr mitgehen.

00:09:14: Ja, absolut.

00:09:15: Und war bei uns tatsächlich genau gleich.

00:09:17: und am Anfang war ich auch sehr froh, dass wir erst mal in die große weite Welt hinaus durften und auch andere Dinge gesehen haben.

00:09:23: Und ich glaube, je weiter man sich auch entfernt von seinem Wohnort oder von seinem Heimatort, um so mehr, weiß man, wieder Dinge zu schätzen, die man früher natürlich gar nicht toll fand.

00:09:32: Total.

00:09:33: Oder für

00:09:33: Normal genommen.

00:09:36: Ich werde auf jeden Fall in der Metropole wohnen, ja, hundert Prozent.

00:09:39: Und wenn man das mal erlebt hat, dann lernt man auch stärker seine Wurzeln wieder kennen.

00:09:45: Absolut.

00:09:46: Und das finde ich auch schön, dass man so ein bisschen überlegt, was ist eigentlich alles gut.

00:09:50: an dem Leben, was ich hatte oder was ich jetzt wieder führe, weil im Moment sind wir in Deutschland Weltmeister darin, uns zu erzählen, was nicht mehr gut ist an dem Leben, was wir hier alle führen.

00:09:59: Also da seid ihr dann sicherlich ein gutes Beispiel.

00:10:02: und wie war das?

00:10:03: Also du sagst, unsere Fähigkeiten passen sehr gut zum Betrieb.

00:10:06: Seid ihr Handwerkerin, was seid ihr von der Ausbildung her?

00:10:09: Inwiefern ergänzt ihr Schwestern, euch und eure Eltern?

00:10:13: Also in unserer rebellischen Phase haben wir natürlich entschieden, auf jeden Fall kein Handwerk zu lernen, sondern wir werden auf jeden Fall was ganz anderes machen und das durften wir auch.

00:10:21: Also ich habe einen wirtschaftswissenschaftlichen Hintergrund, wirtschaftspädagogie Master, was mir heute unglaublich viel bringt und hilft tatsächlich.

00:10:29: Meine Schwester kommt aus der kreativen Ecke, sie hat Informationsdesign studiert und dann noch in Family Entrepreneurship ihren Master gemacht.

00:10:35: Wir sind so unterschiedlich, dass ich mir manchmal auch die Frage stelle, wie zwei Eltern so unterschiedliche Kinder vorbringen.

00:10:42: können.

00:10:43: Aber gleichzeitig sind wir auch wieder sehr komplementär in unseren Fähigkeiten und Begabungen.

00:10:48: Das kommt uns natürlich im unternehmerischen Alltag zugute.

00:10:52: Und wie ist es?

00:10:52: Werdet ihr ernst genommen von den Handwerker und Handwerkerinnen?

00:10:55: Weil natürlich häufig auch so dieses ist, ihr seid irgendwie da Wirtschaftswissenschaftler und so, aber ihr könnt ja hier keine Gardine nähen und nix.

00:11:04: Also wie habt ihr euch da den Respekt erarbeitet?

00:11:07: Also, ich glaub, ein großer Vorteil war wirklich, dass die uns natürlich von klein auf kennen und kannten wir natürlich auch die Ferien in den Werkstätten verbracht haben, auch auf der Baustelle mit dabei waren.

00:11:16: Und dann aber natürlich auch mit der Haltung, dass wir jetzt nicht so getan haben, als wären wir die besten Handwerker in die Skipt.

00:11:24: Wir haben natürlich dann auch angefangen, also mein Start in das Unternehmen war, dass ich wirklich mit jedem Mitarbeiter eine gewisse Zeit verbracht habe.

00:11:31: Das heißt, ich war mit dabei auf der Baustelle, auf in der näher reine Polsterei, beim Ausmessen, so alle verschiedenen Positionen, die es gab.

00:11:38: Und ab dem Moment, wo ich meine Bodenlegerhosen an hatte.

00:11:41: war dann auch klar, die meint es ernst.

00:11:43: Und in dem Moment, wo man auch anfängt, zuzuhören und auch zu sagen, hey, hier geht es nicht darum, dass ich mich jetzt als Chefin aufspiel, sondern hier geht es darum, das große Ganze zu sehen, kommt der Respekt relativ schnell von selber.

00:11:57: Und ich glaube, dass es da ganz viel um Haltung, um Statement und um Positionierung geht.

00:12:01: Auch zu sagen, Erfahrung werden wir nicht mehr einholen, aber dann einfach zu sagen, hey, lass uns gemeinsam unsere Stärken bündeln.

00:12:09: Ja, total.

00:12:10: Jetzt ist ja das eine in Anfangstrichen nicht vom Fach zu sein, das andere ist ja sich von seinen Eltern auch in einer Art und Weise abzugrenzen oder zu unterscheiden, vor allen Dingen, wenn die noch selber mit im Betrieb sind.

00:12:21: Weil erstmal haben alle Mitarbeiter in deren Richtung geguckt und jetzt kommen da irgendwie die beiden neuen.

00:12:27: Wie hat dieser Übergabeprozess funktioniert?

00:12:30: Also wir haben uns natürlich gewünscht, dass wir einen fließenden Übergang hinbekommen.

00:12:33: Es gibt ja ganz viele, die dann sagen, okay, jetzt kommen die junge Generation, wir sind raus.

00:12:38: Und für uns was ganz wichtig oder auch besonders zu sagen, hey, lass uns einen fließenden Übergang schaffen.

00:12:43: Also erst mal noch

00:12:44: alle.

00:12:44: Alle gemeinsam.

00:12:46: Und bei uns, also Mama hat ihr ganzes Leben mit im Unternehmen gearbeitet.

00:12:50: Das heißt, sie hat eine fixe Position, Papa auch, dann eben wir beiden Schwestern.

00:12:54: Und wir haben ja noch eine dritte Schwestern, die nicht operativ mit drinsteckt.

00:12:58: Aber das heißt, du merkst schon, sehr viel Familie im Unternehmen.

00:13:01: Und dieser fließende Übergang, den wir uns so schön ausgemalt haben, Disneyland und alles pipipip, wir haben uns lieb, hat sich dann herausgestellt, hat mehr Herausforderungen als wir dachten.

00:13:13: Und wir mussten erst mal die Rollen klar bekommen, was wer in welche Rolle in der Familie einnimmt, im persönlichen einnimmt, aber vor allem auch im Unternehmen einnimmt.

00:13:23: Und wie habt ihr das gemacht?

00:13:24: Habt ihr euch da Hilfe geholt?

00:13:26: Genau, wir hatten externe Begleitung, nachdem wir dann irgendwann wussten, wir schaffen es nicht mehr trotz guter Ausbildung und guter Kommunikation, dachten wir und haben dann Unterstützung von außen bekommen, die einfach mit einem ganz neutralen Blick die Themen super nüchtern betrachten konnten.

00:13:41: Und wir dann auch gemerkt haben, unsere Emotionen sind berechtigt, aber bringen uns nichts für unternehmerische Themen.

00:13:49: Ja, ja.

00:13:50: Und das sind einfach völlig unterschiedliche Rollen, die man in der Familie hat und im Unternehmen und die auch immer wieder da jeweils zu lassen, ist gar nicht so leicht.

00:13:58: Genau, die vermischen sich auch super häufig.

00:14:00: Natürlich, natürlich.

00:14:01: Wenn der Vater mit der Geschäftsführerin spricht oder die Ehefrau mit dem Geschäftsführer, also man merkt schon in der Erzählung, das kann nicht funktionieren.

00:14:11: Und wie ist es heute?

00:14:13: Also, heute haben wir natürlich einen riesen Vorteil, weil für uns viel klarer die Ebenen getrennt sind und die Trennung aber nicht negativ, sondern auf eine positive Art und Weise, weil ein anderes Bewusstsein dahinter steht.

00:14:24: Das heißt, wir können jetzt sagen, okay, wir sind jetzt als Familie unterwegs und natürlich ist das Unternehmen immer irgendwo mit dabei, aber wenn man jetzt ein unternehmerisches Thema besprechen möchte, muss man das sozusagen ankündigen.

00:14:34: Zu sagen, hey, ich habe gerade eine Idee, können wir da kurz drüber sprechen.

00:14:38: Und dieses

00:14:39: Bewusstsein schafft ganz viel Verständnis, aber auch wieder ganz viel Weitblick und Freiheit, was uns unglaublich gut getan hat.

00:14:48: Ach, schön.

00:14:48: Und wie stellt man sich heute so einen erfolgreichen Handwerksbetrieb vor?

00:14:53: Also sind alle an einem Standort, kriegt ihr genug Auszubildende?

00:14:58: Erzähl mal sozusagen aus dem echten Leben.

00:15:00: Ja, also natürlich gibt es da ganz viele unterschiedliche Varianten und Vorgehensweisen und wir dürfen ja auch nicht vergessen, dass Handwerk, wenn wir über das Handwerk sprechen, insgesamt hundert dreißig verschiedene Ausbildungsberufe umfasst werden.

00:15:12: Das heißt, es geht ja wirklich von Bäcker über Maurer über Raumerstadt über Elektriker.

00:15:17: Also es sind ja so viele verschiedene Varianten mit drin und das Handwerk an sich ist ein wunderschöner Begriff, aber extrem vielfältig in der Umsetzung.

00:15:26: Und für uns war klar, dass wir auf jeden Fall das Thema Innovationen in den Betrieb bringen möchten.

00:15:31: Wir möchten digital unterwegs sein.

00:15:33: Wir haben das Fachkräftethema, glaube ich, schon vor vielen Jahren erkannt.

00:15:37: Und auch Mama und Papa haben schon früh die weichen Richtungen Zukunft der Ausbildung gesetzt.

00:15:42: Und das waren so die Themen, mit denen wir angefangen haben.

00:15:44: Das heißt, wir sind an einem sehr ländlichen Standort.

00:15:46: Wir haben beschlossen, wir digitalisieren.

00:15:48: Wir haben selber Glasfaserleitungen verlegt.

00:15:51: Wir haben gesagt, wir packen das an, wir warten nicht auf politische Weichenstellungen, sondern wir wollen das wirklich und konnten dadurch natürlich schon sehr früh, ich sage jetzt mal, Attraktivität auch in die Prozesse bringen, was da dann auch wieder Mitarbeitende gut finden und natürlich auch langfristig bindet und hält.

00:16:09: Wenn du sagst, die haben früh erkannt, dass sie innovativ ausbilden wollen, welchen Einfluss hat man denn auf die Ausbildung?

00:16:15: Weil eigentlich sind ja da andere für zuständig.

00:16:18: Also klar, die Ausbildung im Betrieb, die hat man in der Hand.

00:16:21: Inwiefern kann man die innovativ gestalten?

00:16:23: Genau, also zum einen hat's natürlich das Thema, wie möchte ich ausbilden?

00:16:27: Und vielleicht kennt das der eine oder andere noch von früher, es hieß immer, Lehrjahre sind keine Herrenjahre.

00:16:32: Da war der Azubi einfach nur handlanger.

00:16:34: Und ich glaub, das wussten wir schon früh, dass es einfach nicht funktionieren wird.

00:16:38: Junge Menschen möchten mitarbeiten, die möchten gesehen werden, die möchten vollwertige Personen sein, dass wir nicht nur sagen können, okay, du trägst das Material auf der Baustelle in dritten Stock und dann wartest du bis der Geselle seine Arbeit verrichtet hat.

00:16:50: Das funktioniert nicht.

00:16:51: Das heißt zum einen die Personen sehen als vollwertige Personen, zum anderen natürlich schauen, dass eine Abwechslung reinkommt in den beruflichen Alltag.

00:17:00: Und dann aber natürlich auch durch die Vielzahl an Auszubildenden ein Art Netzwerk zu schaffen, das die Jugend wieder verbindet.

00:17:07: Und wir hatten in Spitzenzeiten teilweise neun Azubis, was auf unsere Gesamtzahl ganz gut ist.

00:17:13: Und dadurch war es wie so eine Handwerker-Community der Jugend, die wieder da ist.

00:17:17: Und die sind sozusagen wieder in das ganze Team eingebettet.

00:17:20: Und das macht natürlich einen Riesenunterschied vom Arbeitsalltag.

00:17:23: Ja, toll.

00:17:24: Und fällt es euch schwerer?

00:17:26: junge Menschen fürs Handwerk zu begeistern, Auszubildende zu finden, oder sagst du, das ist über die Jahre eigentlich gleich geblieben?

00:17:32: Zum Glück ist bei uns gleich geblieben, hat aber den ganz klaren Hintergrund, dass wir ganz viel im Bereich Bildungspartnerschaften mit Schulen zusammenarbeiten.

00:17:40: Das heißt, wir sind auf allen Bildungsmessen präsent.

00:17:43: Wir haben pro Jahr um die Achtzig Praktikanten und Praktikantinnen bei uns, die quasi schon super früh mit unserem Unternehmen in Kontakt kommen.

00:17:52: Und dann bleiben wir dran.

00:17:53: Also, wenn jemand wirklich eine handwerkliche Begabung mitbringt und wir wissen, die passt auch von einer Person zu uns, dann bleiben wir an der Person dran.

00:18:02: Und es ist natürlich ein Weg, der schon viel früher startet und wo dann unsere Kolleginnen und Kollegen immer sagen, wie schafft ihr es eigentlich, dass die jungen Leute alle zu euch wollen?

00:18:10: Und ich glaube, dass das genau ein Schlüssel sein kann.

00:18:13: Und der zweite Schlüssel ist natürlich Social Media, was natürlich Olivia extrem aufgebaut hat, die letzten Jahre zu zeigen, was handwerkliche Arbeit denn alles umfasst und welche Ergebnisse auch erzielt werden können.

00:18:27: Ja, und das ist glaube ich so wichtig, greifbar zu machen, weil du sagst gerade, es sind hundertdreißig verschiedene Ausbildungsgänge, so auch Menschen anzuzünden für eine Ausbildung im Handwerk, weil... Ganz viel hast du natürlich Studium rauf runter.

00:18:42: Da gibt es gefühlt ganz viele Rollmodels und Menschen, die einen da in die richtige oder auch nicht so gute Richtung schieben.

00:18:48: Aber Handwerk begegnet man natürlich so in der freien Wildbahn.

00:18:52: viel zu wenig eigentlich.

00:18:53: Und es ist viel zu wenig anfassbar oder hinter die Kulissen blickbar.

00:18:57: Deswegen ist Social Media sicherlich ein super Weg.

00:19:00: Aber was denkst du, kann man da noch tun?

00:19:02: Gerade jetzt in diesen Zeiten, wo ich so denke, nichts ist wahrscheinlich sicherer vor KI als das Handwerk.

00:19:08: Jungen Menschen zu zeigen.

00:19:09: Mensch, guckt euch den Bereich mal an.

00:19:11: Also, ich glaube, wir müssen noch einen Tick früher anfangen.

00:19:14: Also, neben dem, dass natürlich Eltern schon früh ihren Kindern erklären, mach alles, aber bitte kein Handwerk.

00:19:19: Weil Handwerk ist dreckig, Handwerk ist staubig.

00:19:23: lernen was richtiges, aber lernen kein Handwerk.

00:19:26: Wir haben da auf jeden Fall bei den Eltern schon ein großer Faktor.

00:19:29: Der zweite Punkt ist die Schule.

00:19:31: Und das ist natürlich auch das Thema, ich weiß, wir schieben immer viele Themen auf die Schulen ab.

00:19:35: Aber wenn natürlich auch die Lehrer sagen, du wirst nur erfolgreich sein mit einer akademischen Laufbahn durch ein Studium, dann weiß ich nicht, ob das das richtige Signal und der richtige Hebel für junge, heranwachsende Darstellt, die ja komplett auf der Suche sind und auch oft gar nicht wissen.

00:19:51: welche Möglichkeiten es bietet.

00:19:54: Deshalb bin ich auch gerne an Schulen unterwegs und versuche, ein paar Einblicke zu geben, wie unser Alltag aussieht, was das berufliche duale Ausbildungssystem für Chancen bieten kann.

00:20:04: Und wenn man so in die Gesichter schaut, sieht man so richtig die Aha-Momente.

00:20:09: Es gibt wirklich ganz viele, die zum einen nicht wissen, was Handwerk eigentlich bedeutet, wie du es gerade richtig schon gesagt hast.

00:20:16: Was bedeutet eigentlich Handwerk?

00:20:17: Was sind Handwerksberufe?

00:20:18: Was kann man denn dann machen?

00:20:20: Und zum anderen aber natürlich immer dieser Wunsch, dass es leicht sein soll oder dass man schnelles Geld verdienen soll, aber irgendwie, dass alles easy-peasy läuft.

00:20:29: Und ich glaube, dass da einfach ein großer Crux in den Köpfen der Menschen stattfindet.

00:20:34: Ja, und das ist so interessant, weil nichts brauchen wir aktuell mehr als den Elektriker und den Raumausstatter und den SHK-Meister und so weiter.

00:20:42: Also ich will mir gar nicht vorstellen, wie diese Fachkräfte in Zukunft einfach so gefragt sein werden und wir viel zu wenig dafür ausbilden.

00:20:51: Und in einem KI-Zeitalter, wie eben gesagt, sind das wahrscheinlich die krisensichersten Jobs, die Deutschland zu bieten hat.

00:20:59: Vielleicht nochmal einmal zu diesen Glaubenssätzen, was du gerade gesagt hast.

00:21:03: Lehrjahre sind Herrenjahre oder Handwerk ist irgendwie staubig und mach lieber Abi und so.

00:21:09: Einen anderen Spruch, den es ja gibt, ist Handwerk hat goldenen Boden.

00:21:12: Und da ist meine Frage in Wiefern der auch in Zeiten wirtschaftlicher Rezession gilt?

00:21:17: Also ist Handwerk auch in diesen Zeiten krisensicher?

00:21:22: Also ich glaube, dass Handwerk auf jeden Fall krisensicher sein kann.

00:21:27: Aber, und jetzt kommt der entscheidende Schlüssel, wie alle Unternehmen müssen auch Handwerksbetriebe sich für die Zukunft aufstellen.

00:21:34: Und ich glaube, dass wir die letzten Jahre natürlich auch gemünzt durch das, dass wir viele Unternehmen ohne Nachfolger, Nachfolgerinnen haben oder hatten und das ja in Zukunft noch viel, viel größer sein wird.

00:21:46: Aber vor allem auch den Faktor, dass wir ... ein bisschen verwöhnt waren, vor allem auch durch die Zeit der Pandemie.

00:21:53: Und wenn dann Aufträge da sind und du eigentlich nicht mehr weißt, was du zuerst erledigen sollst und einfach gewohnt bis nix tun zu müssen, und dann kommt diese Rezension und du solltest wieder loslegen und solltest versuchen, aktiv zu sein.

00:22:06: Da haben, glaub ich, einige auch den Absprung verpasst und leider, und das ist auch kein Geheimnis, gibt es auch viele Handwerksbetriebe, die dann das nicht überleben, was super schade und traurig ist.

00:22:17: Ja, inwiefern gibt es dann da Konsolidierung?

00:22:19: Also wenn jemand keinen Nachfolger findet oder wenn jetzt ein Raumausstatter in hundert Kilometer um euch herum irgendwie sagt, wir machen nicht mehr weiter, guckt man dann auch mal, ob man zukauft?

00:22:29: Absolut, und wir haben also auch regelmäßig Anfragen für uns jetzt, ob wir nicht die Betriebe weiterführen möchten.

00:22:35: Das sind natürlich auch oft Betriebe, wo der Handwerksmeister gemeinsam mit seiner Frau und vielleicht noch einem Gesellen zusammen, also oft so Ich sag jetzt mal Unternehmensgröße, drei bis fünf Mitarbeitende.

00:22:46: Und die natürlich gerne das Unternehmen übergeben möchten.

00:22:49: Und dann stellt sich aber natürlich immer die Frage, was

00:22:52: ich im Ziel setze.

00:22:52: Was übernimmt man da eigentlich?

00:22:54: Genau, richtig.

00:22:54: Und wir wissen ja auch, ein Unternehmen ist dann auch viel wert oder etwas wert, wenn die Mitarbeiterstruktur so ist, dass die nicht alle dann in einem Jahr auch in Rente sind.

00:23:04: Und natürlich Aufträge weiterzuführen, ist lukrativ und auch attraktiv.

00:23:09: Aber die Frage ist immer, ist dieser Mechanismus, das Unternehmen, den Standort, die Räumlichkeiten zu betreiben, auch zukunftsfähig, ja oder nein?

00:23:17: Ja, und das ist ja dann eigentlich die Frage nach Wachstum oder Profitabilität, weil wenn du jetzt sagst, du willst wachsen, auch zu Lasten der Profitabilität erst mal für eine Zeit, dann ist Zukauf und so sicherlich gut.

00:23:29: Wenn du sagst, ich möchte eigentlich kerngesund sein und auf Profitabilität maximieren, dann muss ja nicht unbedingt größer werden.

00:23:35: Wie guckst du auf diesen Spagat?

00:23:38: Was ist da wann für euch wichtig?

00:23:40: Also ich glaube, dass wir die letzten Jahre einfach, wenn Mama und Papa ja von, ich sag jetzt mal, null auf sechzig skaliert oder sagen wir null auf fünfzig und dann haben wir noch mal zehn dazu, jetzt rein von den Mitarbeitenden.

00:23:51: Es geht ja auch immer darum, wie schnell wächst die Struktur und die Prozesse mit.

00:23:55: Und das Klischee, Handwerker sind nie erreichbar und Handwerker sind unzuverlässig beispielsweise, war für uns immer schon eines der obersten Grundsätze, dass wir erstens erreichbar sind, dass wir pünktlich da sind, dass wir unsere Termine einhalten.

00:24:10: Und wenn man das natürlich vorsetzen möchte, braucht man Verwaltungsapparat, der natürlich auch irgendwo wieder mit Aufwand verbunden und kosten, der das Ganze natürlich ermöglicht, zu strukturieren.

00:24:23: Und ich glaube, dass genau an dem Punkt eben diese Wachstumsfrage dann kommt, bis zu welchem Punkt macht es Sinn, zu wachsen und ab welcher Situation muss ich sozusagen alles immer doppelt dreifach vierfach besetzen, um dann überhaupt noch lukrativ sein zu können.

00:24:37: Ja, total.

00:24:37: Wie groß macht man das Rad und bleibt am Ende mehr hängen oder ist einfach das Rad größer?

00:24:42: Ist immer eine Frage sicherlich auch von Ambitionen.

00:24:45: Die jungen Generationen pushen da sicherlich immer mehr und sagen, komm, Da können wir doch das auch noch machen und das auch noch.

00:24:51: Und ich glaube, im Laufe der Zeit merkt man, ah, haben wir uns aber auch ganz schön viel Ballast sozusagen noch obendrauf geholfen.

00:24:57: Genau.

00:24:58: Und die Frage ist auch immer, wie groß ist das Rad, das man drehen möchte?

00:25:01: Ja.

00:25:02: Und vor allem aber auch, was möchte ich unterm Strich trotzdem noch rausbekommen?

00:25:07: Ja.

00:25:07: Und

00:25:08: ich glaube, das ist wahrscheinlich nicht nur an Profit, sondern auch an Leben.

00:25:12: Richtig.

00:25:13: Was ist die Balance, die ich als Arbeit und Leben angeht, rausbekommen möchte?

00:25:17: Und was ist die Rendite?

00:25:19: Absolut richtig.

00:25:20: Und ich glaub trotzdem, dass Handwerksbetriebe, die, ich sag jetzt mal größer sind, ich sag jetzt mal zwischen vierzig und sechzig Mitarbeitenden, dass die trotzdem einen entscheidenden Vorteil in Zukunft haben, weil sie einfach noch attraktiver sein können für junge Menschen durch eine zweite Hierarchie-Ebene.

00:25:39: Das heißt, man kann nochmal ganz anders auch Führungsverantwortung beispielsweise anbieten, was einfach Themen sind, die für junge Menschen auch wieder attraktiv sein können.

00:25:48: Ja, total.

00:25:49: Total.

00:25:49: Im kleinen Betrieb, da ist es einfach jeder dann der Spezialist oder Experte und in größeren kann man da eben dann auch mal ein Team führen.

00:25:56: Macht total Sinn.

00:25:57: Was ist denn dein Zielbild für euren Handwerksbetrieb?

00:26:00: Also wenn du jetzt zwanzig Jahre in die Zukunft guckst, wo willst du sein?

00:26:05: Also prinzipiell sind wir natürlich der festen Überzeugung, dass wir zum einen zeigen wollen, dass Handwerk auf jeden Fall Zukunft hat.

00:26:12: Zum anderen möchten wir aber... Handwerk auch nochmal neu denken.

00:26:16: Wir sind jetzt sehr stark in dieser Raum gestaltenden handwerklichen materiellen Sichtweise und möchten aber in Zukunft auch das Thema immaterielle Raumgestaltung mit aufnehmen.

00:26:26: Auch die Erklärung dazu, was gesundes Wohnen eigentlich bedeutet.

00:26:30: Das Thema Schlaf habe ich schon ganz am Anfang angesprochen.

00:26:33: Es geht jetzt übers Handwerk hinaus.

00:26:35: Aber was bedeutet eigentlich gesunder Schlaf?

00:26:37: Was hat das für eine Auswirkung auf die Menschen?

00:26:40: Was kann da dahinterstehen?

00:26:42: Und vor allem aber auch den Austausch, den ich essenziell wichtig finde, nicht nur unter Handwerksbetrieben, sondern auch generell unter Familienunternehmen und Unternehmen zu sagen, wie können wir in Zukunft Dinge noch besser machen?

00:26:54: Wie können wir uns noch besser aufstellen und den Austausch wirklich aktiv zu schaffen durch Räume, was ja unsere Kompetenz darstellt und das in Zukunft zu setzen?

00:27:04: Ja, super.

00:27:05: Und da vielleicht zum Abschluss, ihr habt ja mit hell und klar eine Beratung gegründet, die andere Menschen bei der Nachfolge begleitet, weil ihr da wahrscheinlich selber so viel Erfahrung gesammelt habt und weil das ja wirklich eines der Hauptthemen, nicht nur im Handwerk, sondern auch im deutschen Mittelstand ist, aus wer folgt mir nach und wenn ich den oder die habe, wie funktioniert das dann gut?

00:27:26: Was ist sozusagen der größte Rat?

00:27:30: oder was ist so die Erfahrung, wo du sagst, die hilft den meisten Menschen, wenn du die hier teilst?

00:27:34: Ja, ich glaube, das geht sogar über die Nachfolgethemen hinaus und es geht ganz simpel darum, seinen eigenen Weg zu gehen.

00:27:43: Und ich glaube, das ist ein Rat, der sich super plump und auch so normal anhört.

00:27:48: Aber genau da sehe ich eine Riesenherausforderung, sowohl für junge Menschen, schon in ihrer Berufswahl.

00:27:54: Dann in der Nachfolge ist super wichtig, dass man eben nicht nur nachfolgt, sondern seine eigene Identität, seine DNA in das Unternehmen bringt.

00:28:03: Und dann aber vor allem auch immer wieder mutig, den Blick zu sich selber wirft, ohne sich zu stark von gesellschaftlichen Themen steuern zu lassen.

00:28:12: Und mit dem haben natürlich NachfolgerInnen zu tun, aber auch ganz viele die Gründen, die wir mittlerweile auch gerne begleiten in ihrem Prozess.

00:28:22: Was ist die konkrete Vision dahinter und wie schaffe ich es, meine Vision in die Welt zu tragen?

00:28:26: Ja, es ist ein super Ratschlag und etwas, was wie du sagst, weit übers Handwerk hinausgeht, aber auch gerade im Handwerk so wichtig ist, denn dieses Wie soll mein Weg aussehen?

00:28:37: und ich möchte gerne Tischler werden.

00:28:40: Ich möchte gerne Friseur werden.

00:28:42: Ich möchte gerne Elektriker werden.

00:28:44: Ich glaube, der am meisten gesuchteste Job Deutschlands mit den wenigsten Bewerbungen, das wieder so hoch zuhängen und auch nicht nur so.

00:28:54: gesellschaftlich angesehen, sondern auch in Form von Stundensätzen.

00:28:58: Was mir immer nicht in den Kopf will, ist warum die Stundensätze von Handwerkern so niedrig sind im Vergleich zu Anwälten oder Personal Trainern oder so.

00:29:08: Also ich will die gar nicht gegeneinander ausspielen.

00:29:11: Aber warum gibt Deutschland, sagen wir jetzt mal jetzt nicht gleich die Welt, nicht auch Anerkennung für Handwerk noch mehr

00:29:19: in

00:29:19: Höhe des Stundenlohns?

00:29:21: Absolut richtig.

00:29:22: Und also gehört zu einer meiner großen Visionen für die Zukunft des Handwerks.

00:29:27: Wenn wir die Stundensätze entsprechend auch beruflich akademische Bildung gleichsetzen, dann haben wir auch da in Zukunft einfach nochmal einen ganz anderen Hebel mit drin.

00:29:37: Natürlich kann sich das von selber ein Stück weit regeln durch Angebote und Nachfrage.

00:29:41: Und da bin ich auch der festen Überzeugung, dass es kommen wird, was eigentlich deutlich weniger gibt.

00:29:46: Und gleichzeitig, und da setze ich schon auch noch mal den Finger ein Stück weit in die Wunde, wir müssen gesellschaftlich auch wirklich durchdringen, dass ein Handwerker nicht untergebildet ist im Vergleich zu jemandem, der

00:30:00: ein Studium

00:30:00: hat.

00:30:01: Genau, und leider passiert es immer noch, und ich kriege das ja leider ... auch mit, was auf der Baustelle beispielsweise abgeht.

00:30:09: Und ich glaub, dass an dem Punkt jeder, jede einzelne Person ansetzen kann, wie man mit Handwerkerinnen umgeht und auch welche Dankbarkeit und Wertschätzung man denen entgegenbringt.

00:30:19: Und es geht auch übers Handwerk hinaus.

00:30:21: Das geht auch ins Thema Pflege, in die Gesundheitsberufe, in soziale Berufe und so weiter.

00:30:26: Jeder Beruf ist wichtig und trägt unsere Gesellschaft.

00:30:29: Total, also da zum Abschluss vielleicht eine Anekdote.

00:30:32: Unser großer Sohn hat Praktikungen gemacht im Betrieb meines Mannes, der ganz viele SHK-Meister hat, also weil er Wärmepumpen verbaut und Solarpanelen und so weiter.

00:30:43: Und der ist da eine Woche immer morgens um sechs Uhr dreißig dann mit denen auf die Baustelle gefahren und hat den da den Schraubenschlüssel gehalten und irgendwas aus dem Wagen geholt und was man halt als Schülerpraktikant so macht.

00:30:54: Und der kam nachmittags nach Hause und meinte so, Es ist unfassbar, was die können.

00:31:01: Es ist unfassbar, was die leisten.

00:31:03: Was die dafür Sachen tragen, was die für Wissen haben, wie die wissen, was da alles ineinander spielt, wenn du so eine Wärmepumpe da jetzt installierst.

00:31:14: Und der war wirklich... Der konnte nicht glauben, dass Menschen so was können.

00:31:19: Und da dachte ich so, mit der Begeisterung wäre er niemals aus einem sogenannten Knowledge-Worker-Praktikum rausgekommen, wo alle vor ihren Rechnern sitzen.

00:31:27: Also da wäre er nicht nach Hause gekommen und hätte gesagt, ihr könnt euch nicht vorstellen, was die können.

00:31:32: Also dieses, was du sagst, diese Wertschätzung, sowohl, dass sie sich monetär widerschlägt, aber dass wir auch wirklich aufhören zu denken, dass eine wäre die Königsklasse und das andere wäre leider nur irgendwie die Sekte.

00:31:45: Ich glaube, die Zeiten sind jetzt schon vorbei und werden in Zukunft so was von vorbei sein.

00:31:51: Also insofern, Romina, ich wünsche euch viel Erfolg.

00:31:54: Ihr seid für mich eines der großen Vorbilder, was dieses Land so stark macht.

00:31:59: diese Mischung aus Verantwortung, Menschlichkeit, jungen Menschen, Ausbildung mitgeben, miteinander und gleichzeitig in eurem Fall Räume entstehen zu lassen, in denen sich Menschen wohlfühlen.

00:32:12: Also ich wünsche dir und deiner Familie viel Erfolg und tausend Dank, dass du hier warst.

00:32:16: Vielen lieben Dank für die Chance Verena und danke, dass du dem Handwerk eine Bühne gegeben hast.

00:32:22: Von Herzen gerne.

00:32:27: Ja, das war's auch schon wieder mit meiner Solo-Folge.

00:32:30: Es hat mir ganz besonders großen Spaß gemacht.

00:32:33: Jetzt wünsche ich euch eine schöne Woche und bis bald.

00:32:36: Alles

00:32:49: Liebe.

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